Die Geburtsstunde des Treffens

(Notes of a dirty old man)
Es war ein sehr heißer Tag im Sommer ´06. Die beiden Boys machten sich an einem Freitagmorgen mit ihren geilen Kisten auf den Weg nach irgendwo in Niederbayern; Landshut; Gundihausen zum Schluchtenflitzertreffen.
Schon am Morgen war er sehr warm. Die Jungs fuhren in T-Shirt, Shorts und Jesuslatschen los, machten den ersten Break in Geisenfeld, lutschten Eis und bewerteten die Dorfschönheiten. Tigerten weiter durch die Hollertau nach Siegenburg, um ein paar Kumpels zu besuchen.

Nach ungläubigem Staunen, was für Krawallbrüder wir denn schon wieder sind (in Siegenburg war heute auch Street-Fighter-Treffen), folgte sogleich ein:“Ja, seits ihr net so blöder, ihr alten Esel auf’m Moped?“ Und:“Ja Mensch, so a Kreidler hob i amoi ghabt!“, gemischt mit weiteren wohlwollenden Kommentaren.

Gleich waren ein paar kalte ‚Siegenburger St. Florian’ aufgerissen, der Werkstattbetrieb für heute eingestellt und es wurde über alte Mopedzeiten geschwärmt.
Irgendwann fiel dem Chefmechaniker Michi ein, dass der Xaver S. noch eine Kreidler im Stadl stehen hat und sie nicht mehr so recht zum Laufen, bzw, zum Schalten brachte.
Also beschlossen wir, den Xaver zu besuchen. Der Michi rief ihn an; der Xaver hatte Zeit für uns und wir wurden kurz des Weges belehrt. Nach der Brücke rechts ab, die Strasse bergab entlang und der Xaver würde rechts am Straßenrand am großen weißen Stockhaus auf uns warten. Also schwangen wir uns auf unsere Karren, fuhren den besagten Weg und tatsächlich stand da der Xaver und winkte uns freudig herbei. Er begrüßte uns in Jesuslatschen mit grauen Kniestrümpfen und kurzer Hose. Sein Bauch steckte in einem verschwitzten weißen Fein-Ripp-Unterhemd. Er murmelte, dass sein Moped außerhalb im alten Hof stehe und wir sollten ihm folgen. Er kroch in sein KFZ, machte die Karre an, setzte zurück, fuhr den Berg wieder hoch, bis er irgendwann rechts abbog. Da ging es noch ein Stückl bergauf, auf halber Strecke setzte er den Blinker rechts und wir machten hinter ihm halt. Wortlos ging der Xaver auf die andere Straßenseite, sperrte das alte hölzerne, wacklige und ebenso morsche Gartentor auf und gewährte uns Einlass.
Wir waren auf einem alten aufgelösten, bzw. teilweise schon abgerissenen Bauernhof. Xaver schloss mit einem großen, langen Schlüssel die alte, marode Haustüre auf und bat uns links herum in die ehemalige ‚gute Stubn’. Da stand seine Kreidler, eine orangefarbene Kreidler LF.

Wir kümmerten uns ums Moped, entdeckten altes Benzin und Rost im Tank, sowie eine verbogene Fußrastenanlage kontra Schalthebel. Wir bogen die Fußrastenanlage zurück, klauten uns frischen Sprit aus dem Balkenmäher der im Schuppen nebenan stand und die Karre lief wieder. Derweil brachte uns der Xaver noch ein eisgekühltes ‚St. Florian’. Er hatte in der alten Ranch tatsächlich einen Kühlschrank am Laufen. Während wir das ‚St. Florian’ leerten, überschüttete Xaver uns mit Szenen aus seinem Lebenslauf.
Wir wollten zwar los, andererseits fanden wir’s aber auch cool. Wir kannten den guten Mann erst ne ¾ Stunde und schon textete er uns sein ganzes Leben vor. Irgendwie schafften wir nach einem weitern ‚St. Florian’ den Absprung vom Xaver; fuhren den Berg ganz hinauf und auf der Kuppe streichelte uns die Abendsonne. Wir klatschten uns ab, gaben Gas, fuhren durch die Hopfengärten und kamen nach Waldmünchen. Wir beschlossen, hier etwas zu futtern.
Wir fanden einen Biergarten und setzten uns zu Tisch. Der Wirt war sofort auf unsere Maschinen aufmerksam geworden, setzte sich zu uns, wollte wissen, von wo wir kamen und wohin wir des Weges waren. Er hörte uns zu und erzählte uns dann, dass er seine Paula vor 38 Jahren in jenem Tanzlokal in Gundihausen kennengelernt habe und dass er auch mal eine Kreidler besessen habe. Wir sahen uns ungläubig an und versuchten, dem alten Erzähler Glauben zu schenken. Als uns dann seine Paula die bestellten Speisen brachte, wurden seine ‚Geschichten’ bald entlarvt. Wir lachten herzlich und blödelten um die Wette; bezahlten und nahmen die letzte Etappe nach Gundihausen.

Zum ersten mal an diesem Tag wurden wir enttäuscht. Es waren fast kein Leute da, ein paar Einheimische, ein Teenager aus Baden-Württemberg und Alfred hatte kurz haltgemacht; nur auf der Durchreise.
Den ganzen Abend kamen und gingen ein paar Neugierige, aber von echten Moped-Freaks keine Spur. Die Landjugend pilgerte in die Disco. Mit Mopeds hatten die nix im Sinn. Liessen sich von Mami und Papi gegen Mitternacht abholen, entweder im Benz W123 Diesel oder im Benz W 124 Diesel.
In den Jahren vorher spielten noch Live-Bands im Stadl nebenan, wie die ACDC-Coverband 2004 .Hatten die noch aufgespielt, wow das war wirklich klasse.
Aber jetzt zum Treffen 2006 nur tote Hose, Moped-Feeling ade. Frustriert krochen wir ins Zelt und ließen den Tag nochmals Revue passieren. Dabei kamen wir auf den Trichter, selbst ein Treffen zu organisieren; spannen ein paar Pläne aus, pennten irgendwann ein und träumten von einem geilen Treffen in SOB.
Wie sagte der Peter in seiner Ansprache bei unserem 1. Treffen im folgenden Jahr: „Mein Traum ist wahr geworden!“

Nachdem Peter und Helmut nicht mehr von der Idee abkamen, ein 50er/80er Treffen in SOB zu planen, trommelten wir noch einige Kumpel zusammen, von denen wir wussten, dass sie genauso Zweiradbegeistert sind wie wir.

Eisi, Mante, Huafschmie,Hops, Lenz, Alfred, Erich, Stephan und Peter N. kamen dazu. Bald konnte ich Peter davon überzeugen, das Treffen am SSV-Heim zu veranstalten. Anfangs hatten wir daran gedacht, das Goachat dafür zu wählen. Das Goachat liegt in einem Naturschutzgebiet im Süden von SOB und als Teenager hatten wir dort tolle, ausschweifende Partys gefeiert. Aber für ein Treffen unserer Größenordnung war es denn doch ungeeignet.
Als Nächstes mussten wir noch einen passenden Termin finden, zwischen anderen Feten und der Ferienzeit. Das gab den Ausschlag für das erste Septemberwochenende.
Nach und nach stießen noch Schmidi, Werner, Klaus, Url, Jessy, Thomas, Tobi und Rudi zu uns.

Inzwischen sind wir ca. 20 Moped begeisterte, die eng zusammen arbeiten und die Treffen organisieren.
Einen Verein wollten wir nicht gründen. Das bringt zu viele Pflichten und Regeln mit sich. Lieber wollen wir für jedermann offen sein. Sollte einer einfach keinen Bock mehr haben, braucht er nicht mal eine Abmeldung vorzulegen. Alles ganz einfach.

Okay, manchmal wäre es von Vorteil, über eine gut gefüllte Vereinskasse zu verfügen, trotzdem haben wir uns dagegen entschieden. Obwohl der finanzielle Aufwand mit Fahnen, Flyern, Porto und ab 2011 auch mit einer Internetseite aus unserer eigenen Tasche bestritten wird. Wir haben keinerlei Einnahmen aus den Treffen, bekommen auch vom SSV-Heim keine Provision oder Gewinnbeteiligung, dafür gibt’s aber auch kein Risiko.
So wollen wir es auch für die Zukunft beibehalten. Die großen Treffen auf die Beine stellen, einfach, weil es uns Spaß macht.